RGT-Regel erklärt - Temperatur und Reaktionsgeschwindigkeit

Diagramm zeigt Volumenanstieg über Zeit. Die Reaktionsgeschwindigkeit folgt einem rgt Regel-ähnlichen Muster, das sich verlangsamt.

Geschrieben von

Julian Wegener

Veröffentlicht am

30. Sept. 2026

Inhaltsverzeichnis

Warum läuft eine Reaktion beim Erwärmen plötzlich deutlich schneller ab, während sie im Kühlschrank fast zum Stillstand kommt? Die RGT-Regel liefert dafür eine einfache Faustformel: Sie verbindet die Temperatur mit der Reaktionsgeschwindigkeit und hilft bei Rechnungen, Experimenten sowie beim Verständnis chemischer und biologischer Vorgänge.

Die wichtigsten Aussagen zur Temperaturabhängigkeit chemischer Reaktionen

  • 10 K mehr bedeuten meist eine zwei- bis vierfach höhere Reaktionsgeschwindigkeit.
  • Die Regel beschreibt eine Faustformel, kein exakt gültiges Naturgesetz für jede Reaktion.
  • Bei einer Temperaturerhöhung um 20 K steigt die Geschwindigkeit ungefähr um den Faktor 4 bis 16.
  • Die Erklärung liegt in der Teilchenbewegung und der größeren Zahl erfolgreicher Zusammenstöße.
  • Bei Enzymen gilt die Regel nur innerhalb eines passenden Temperaturbereichs.

Was die RGT-Regel in der Chemie aussagt

RGT steht für Reaktionsgeschwindigkeit-Temperatur-Regel. Sie besagt, dass sich die Geschwindigkeit vieler chemischer Reaktionen bei einer Temperaturerhöhung um 10 K ungefähr verdoppelt bis vervierfacht.

Eine Erhöhung um 10 K entspricht dabei genau einer Erhöhung um 10 °C. Für Temperaturdifferenzen sind Kelvin und Grad Celsius gleich groß. Nur bei absoluten Temperaturwerten, etwa in der Arrhenius-Gleichung, muss mit Kelvin gerechnet werden.

Temperaturänderung Typische Änderung der Reaktionsgeschwindigkeit
+10 K etwa 2- bis 4-fach schneller
+20 K etwa 4- bis 16-fach schneller
-10 K etwa 2- bis 4-fach langsamer

Ich merke mir die Regel am liebsten über die Reaktionszeit. Wenn eine Reaktion bei 20 °C zehn Minuten dauert, kann sie bei 30 °C grob zwischen zweieinhalb und fünf Minuten benötigen. Das ist eine Schätzung, denn die tatsächliche Geschwindigkeit hängt auch von Konzentration, Druck, Oberfläche und Katalysatoren ab.

Warum Wärme Reaktionen beschleunigt

Teilchen bewegen sich bei höherer Temperatur schneller. Dadurch stoßen sie häufiger zusammen und besitzen im Mittel mehr Energie. Entscheidend ist aber nicht jeder Zusammenstoß, sondern nur ein Zusammenstoß mit ausreichender Energie und passender Orientierung.

Die dafür benötigte Mindestenergie heißt Aktivierungsenergie. Nur Teilchen, deren Energie diese Schwelle überschreitet, können die Ausgangsstoffe in Produkte umwandeln. Beim Erwärmen wächst deshalb der Anteil der erfolgreichen Zusammenstöße besonders stark.

Ein anschauliches Bild ist ein Ball, der über einen Hügel gerollt werden muss. Bei niedriger Temperatur erreichen nur wenige Teilchen die Hügelkuppe. Steigt die Temperatur, schaffen es deutlich mehr. Genau dieser Anstieg erklärt, warum schon zehn Grad einen großen Unterschied machen können.

Die genauere mathematische Beschreibung liefert die Arrhenius-Gleichung. Sie berücksichtigt unter anderem die Aktivierungsenergie und zeigt, dass die Temperaturabhängigkeit nicht für jede Reaktion gleich stark ist. Die RGT-Regel vereinfacht diesen Zusammenhang für typische Schulaufgaben und erste Abschätzungen.

So rechnest du mit der RGT-Regel

Für eine einfache Rechnung wird meist angenommen, dass sich die Reaktionsgeschwindigkeit pro 10 K mit einem Faktor zwischen 2 und 4 ändert. Dieser Faktor wird häufig als Q10-Wert bezeichnet.

Die passende Formel lautet:

v2 = v1 · Q10(T2 - T1) / 10 K

Dabei steht v für die Reaktionsgeschwindigkeit, T für die Temperatur und Q10 für den Faktor zwischen 2 und 4. In vielen Schulaufgaben wird vereinfacht mit einer Verdopplung gerechnet.

Beispiel mit einer Verdopplung

Eine Reaktion läuft bei 15 °C mit der Geschwindigkeit 3 Einheiten pro Minute. Wie schnell ist sie bei 35 °C?

  1. Die Temperatur steigt um 20 K.
  2. Das entspricht zwei Schritten von jeweils 10 K.
  3. Bei jeder Stufe wird die Geschwindigkeit verdoppelt.
  4. 3 · 2 · 2 ergibt 12 Einheiten pro Minute.

Die Reaktion läuft in diesem vereinfachten Modell also viermal so schnell. Wird stattdessen ein Q10-Wert von 4 verwendet, ergäbe sich sogar ein Faktor von 16. Genau hier zeigt sich, warum die RGT-Regel nur einen Bereich und keinen exakten Einzelwert liefert.

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Geschwindigkeit und Reaktionszeit nicht verwechseln

Geschwindigkeit und benötigte Zeit verändern sich entgegengesetzt. Wird eine Reaktion doppelt so schnell, halbiert sich bei gleichen Bedingungen ungefähr ihre Dauer. Aus 12 Minuten werden also etwa 6 Minuten, nicht 24 Minuten.

Bei einer Abkühlung um 10 K wird die Geschwindigkeit entsprechend durch 2 bis 4 geteilt. Eine Reaktion, die bei 40 °C fünf Minuten dauert, kann bei 30 °C ungefähr zehn bis zwanzig Minuten benötigen.

Welche Beispiele die Regel besonders gut zeigen

Im Unterricht wird die Temperaturabhängigkeit oft mit der Reaktion von Natriumthiosulfat und Salzsäure untersucht. Dabei entsteht Schwefel, die Lösung wird trüb und ein Zeichen unter dem Gefäß verschwindet. Je höher die Temperatur, desto kürzer ist meist die Zeit bis zur Trübung.

Für einen fairen Vergleich müssen Konzentration, Volumen, Gefäß und Mischvorgang gleich bleiben. Nur die Temperatur darf verändert werden. Sonst lässt sich nicht erkennen, ob wirklich die Wärme oder eine andere Versuchsbedingung den Unterschied verursacht.

Auch das Auflösen einer Brausetablette wirkt bei warmem Wasser schneller. Hier sollte man allerdings genau hinschauen, denn neben chemischen Reaktionen spielen auch Lösen und Durchmischung eine Rolle. Ein solcher Versuch veranschaulicht die Idee, beweist die RGT-Regel aber nicht so sauber wie ein kontrollierter Reaktionsversuch.

In der Biologie findet man einen ähnlichen Zusammenhang bei enzymatischen Reaktionen. Enzyme beschleunigen Reaktionen, verlieren bei zu hohen Temperaturen jedoch ihre räumliche Struktur. Bei menschlichen Enzymen steigt die Aktivität deshalb nicht unbegrenzt an, sondern nimmt nach einem optimalen Bereich wieder ab.

Wo die Faustregel an ihre Grenzen kommt

Die Aussage „10 Grad mehr macht jede Reaktion doppelt so schnell“ ist zu grob. Die RGT-Regel gilt nur für einen begrenzten Temperaturbereich und für Reaktionen, deren Bedingungen ansonsten gleich bleiben.

  • Keine universelle Konstante: Der Faktor kann je nach Reaktion deutlich abweichen.
  • Zu hohe Temperaturen: Stoffe können sich zersetzen, verdampfen oder eine andere Reaktion eingehen.
  • Enzyme: Proteine können durch Wärme dauerhaft geschädigt werden.
  • Andere Einflussgrößen: Konzentration, Druck, Oberfläche und Katalysatoren verändern die Geschwindigkeit ebenfalls.
  • Gleichgewicht: Eine höhere Temperatur kann die Hin- und Rückreaktion unterschiedlich beeinflussen. Die Reaktion läuft dann nicht einfach nur schneller in dieselbe Richtung.

Ein Katalysator ist ein gutes Beispiel für eine häufige Verwechslung. Er senkt die Aktivierungsenergie und beschleunigt dadurch die Reaktion, verschiebt aber nicht automatisch die Gleichgewichtslage. Temperatur und Katalysator haben also unterschiedliche Aufgaben.

Bei präzisen Berechnungen reicht die Faustregel nicht aus. Dann verwendet man Messwerte und die Arrhenius-Gleichung. Für eine Hausaufgabe oder eine grobe Abschätzung ist die RGT-Regel dagegen oft genau das richtige Werkzeug.

So vermeidest du typische Fehler in Aufgaben

Der häufigste Fehler besteht darin, die Temperaturänderung falsch zu zählen. Von 20 °C auf 50 °C sind es nicht drei Grad, sondern 30 K, also drei Zehnerschritte. Bei jedem Schritt wird der angenommene Faktor erneut angewendet.

Ebenso wichtig ist die Richtung. Beim Erwärmen wird multipliziert, beim Abkühlen dividiert. Außerdem beschreibt die Regel die Reaktionsgeschwindigkeit, nicht direkt die Stoffmenge des Produkts. Eine schnellere Reaktion erzeugt nicht automatisch mehr Produkt, sondern erreicht denselben Zustand nur schneller.

Ich empfehle, vor dem Rechnen immer drei Angaben zu notieren: die Ausgangstemperatur, die Zieltemperatur und den verwendeten Faktor. Danach prüfe ich, ob das Ergebnis logisch ist. Eine Erwärmung darf bei dieser Faustregel nicht zu einer langsameren Reaktion führen.

Was von der RGT-Regel wirklich hängen bleibt

Die wichtigste Aussage ist einfach: Mehr Wärme führt bei vielen Reaktionen zu mehr erfolgreichen Teilchenstößen. Eine Temperaturerhöhung um 10 K kann die Geschwindigkeit ungefähr verdoppeln bis vervierfachen, doch der genaue Wert hängt von der Reaktion und ihren Bedingungen ab.

Für Schulaufgaben genügt meist die Schritt-für-Schritt-Rechnung mit dem Faktor 2 bis 4. Wer genauer arbeiten möchte, sollte die Aktivierungsenergie, die Arrhenius-Gleichung und mögliche Grenzen des Temperaturbereichs berücksichtigen.

Damit ist die RGT-Regel ein nützlicher Einstieg in die chemische Kinetik: Sie macht sichtbar, warum Temperaturänderungen so großen Einfluss haben, ohne den komplexeren Zusammenhang vollständig zu ersetzen.

Häufig gestellte Fragen

Die RGT-Regel besagt, dass sich die Geschwindigkeit vieler chemischer Reaktionen bei 10 K mehr ungefähr verdoppelt bis vervierfacht. Sie ist eine Faustformel und gilt nur in einem passenden Temperaturbereich bei ansonsten gleichen Bedingungen.

Eine Erhöhung um 20 K entspricht zwei Schritten von jeweils 10 K. Bei angenommener Verdopplung wird die Ausgangsgeschwindigkeit zweimal mit 2 multipliziert. Läuft eine Reaktion zunächst mit 3 Einheiten pro Minute, ergibt das bei 35 °C statt 15 °C insgesamt 12 Einheiten pro Minute.

Bei höherer Temperatur bewegen sich Teilchen schneller, stoßen häufiger zusammen und besitzen im Mittel mehr Energie. Dadurch überschreitet ein größerer Anteil die Aktivierungsenergie und führt zu erfolgreichen Zusammenstößen, die Ausgangsstoffe in Produkte umwandeln.

Die Faustregel kann bei zu hohen Temperaturen, veränderten Konzentrationen, anderem Druck, abweichender Oberfläche oder Katalysatoren ungenau sein. Bei Enzymen steigt die Aktivität außerdem nicht unbegrenzt, weil die Proteine bei zu hoher Temperatur ihre räumliche Struktur verlieren können.

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Mein Name ist Julian Wegener und ich bringe 10 Jahre Erfahrung im Bereich Bildung mit. Schon früh habe ich eine Leidenschaft für das Lernen und Lehren entwickelt, die mich dazu motiviert hat, komplexe Themen verständlich zu machen. Ich schreibe über verschiedene Aspekte der Bildung, von innovativen Lehrmethoden bis hin zu den neuesten Trends in der digitalen Bildung. Ich lege großen Wert darauf, meine Informationen sorgfältig zu recherchieren und verschiedene Perspektiven zu vergleichen, um meinen Lesern eine klare und präzise Darstellung zu bieten. Mein Ziel ist es, nützliche, akkurate und leicht verständliche Inhalte zu erstellen, die sowohl Schüler als auch Lehrer unterstützen. Durch meine Arbeit möchte ich dazu beitragen, Bildung zugänglicher und effektiver zu gestalten.

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