Warum gewinnt eine Zelle aus Zucker, Fett oder Eiweiß überhaupt nutzbare Energie? Die Antwort führt mitten in den Citratzyklus, eine Abfolge von acht Reaktionen, die Acetyl-CoA abbaut und dabei energiereiche Elektronenträger erzeugt. Ich zeige dir, wo dieser Prozess abläuft, welche Schritte dazugehören, wie die Energiebilanz aussieht und welche Denkfehler in Klausuren besonders häufig sind.
Die wichtigsten Fakten auf einen Blick
- Der Prozess findet bei Eukaryoten hauptsächlich in der Matrix der Mitochondrien statt.
- Pro Acetyl-CoA entstehen 2 CO2, 3 NADH, 1 FADH2 und 1 GTP.
- Der Ablauf umfasst acht enzymgesteuerte Reaktionen.
- Sauerstoff wird nicht direkt im Zyklus verbraucht, ist aber für die Atmungskette unverzichtbar.
- Aus einem Glucosemolekül läuft der Zyklus zweimal ab.

Was der Citratzyklus in der Zellatmung leistet
Der Prozess ist ein zentraler Teil der aeroben Zellatmung. Sein wichtigster Ausgangsstoff ist Acetyl-CoA, das zum Beispiel beim Abbau von Pyruvat, Fettsäuren oder bestimmten Aminosäuren entsteht. Die Zelle zerlegt die Acetylgruppe schrittweise und überträgt die frei werdenden Elektronen auf NAD+ und FAD.
Dadurch entstehen NADH und FADH2. Diese Moleküle speichern zunächst einen großen Teil der Energie und geben ihre Elektronen später an die Atmungskette weiter. Dort wird ein Protonengradient aufgebaut, mit dessen Hilfe schließlich viel ATP entsteht.
Ein häufiger Irrtum ist, den Zyklus mit der gesamten Zellatmung gleichzusetzen. Tatsächlich ist er nur ein Abschnitt. Vorher liegen die Glykolyse und die oxidative Decarboxylierung, danach folgt die Atmungskette mit der oxidativen Phosphorylierung.
Wo der Ablauf stattfindet und warum Sauerstoff nötig ist
Bei tierischen, pflanzlichen und pilzlichen Zellen laufen die Reaktionen überwiegend in der Matrix der Mitochondrien ab. Prokaryoten besitzen keine Mitochondrien. Bei ihnen finden die entsprechenden Reaktionen im Zellplasma statt, während die Atmungskette an der Zellmembran sitzt.
Der Zyklus verbraucht Sauerstoff nicht unmittelbar. Trotzdem kommt er ohne Sauerstoff langfristig zum Stillstand, weil NADH und FADH2 ihre Elektronen nicht mehr an die Atmungskette abgeben können. Dann fehlen NAD+ und FAD für weitere Reaktionen.
Ich finde diese Unterscheidung besonders wichtig, weil sie viele Aufgaben leichter macht: Der Citratzyklus ist indirekt sauerstoffabhängig. Der Sauerstoff wird erst am Ende der Atmungskette als letzter Elektronenakzeptor verwendet und zu Wasser reduziert.
Die acht Reaktionen verständlich geordnet
Der Name kommt daher, dass Acetyl-CoA zunächst mit Oxalacetat zu Citrat verbunden wird. Am Ende entsteht Oxalacetat wieder neu. Genau deshalb handelt es sich um einen Kreislauf und nicht um eine gerade Reaktionskette.
| Schritt | Enzym | Was passiert? |
|---|---|---|
| 1 | Citrat-Synthase | Acetyl-CoA verbindet sich mit Oxalacetat zu Citrat. |
| 2 | Aconitase | Citrat wird zu Isocitrat umgelagert. |
| 3 | Isocitrat-Dehydrogenase | Es entstehen CO2 und NADH; Isocitrat wird zu α-Ketoglutarat. |
| 4 | α-Ketoglutarat-Dehydrogenase | Ein zweites CO2 und NADH entstehen; daraus wird Succinyl-CoA. |
| 5 | Succinyl-CoA-Synthetase | Succinyl-CoA wird zu Succinat umgewandelt und liefert GTP oder ATP. |
| 6 | Succinat-Dehydrogenase | Succinat wird zu Fumarat oxidiert; dabei entsteht FADH2. |
| 7 | Fumarase | Wasser wird addiert und Fumarat zu Malat umgewandelt. |
| 8 | Malat-Dehydrogenase | Malat wird zu Oxalacetat oxidiert; dabei entsteht NADH. |
Die beiden Kohlenstoffdioxidmoleküle entstehen in den Schritten 3 und 4. Das ist eine nützliche Orientierung beim Lernen. Die Energieausbeute liegt dagegen vor allem in den drei NADH-Molekülen, dem FADH2 und dem direkt gebildeten GTP.
Die Energiebilanz pro Acetyl-CoA und pro Glucose
Für ein Molekül Acetyl-CoA ergibt sich folgende Bilanz. Das GTP kann energetisch praktisch wie ATP genutzt werden:
| Produkt | Menge pro Acetyl-CoA | Aufgabe |
|---|---|---|
| CO2 | 2 | Endprodukt der Kohlenstoffoxidation |
| NADH | 3 | Elektronenträger für die Atmungskette |
| FADH2 | 1 | Elektronenträger für die Atmungskette |
| GTP oder ATP | 1 | Direkt nutzbarer Energieträger |
Aus einem Glucosemolekül entstehen durch die Glykolyse zwei Pyruvatmoleküle. Deshalb werden auch zwei Acetyl-CoA gebildet und der Kreislauf läuft zweimal. Der Zyklus liefert dann 6 NADH, 2 FADH2, 2 GTP beziehungsweise ATP und 4 CO2.
Die oft genannte Gesamtbilanz von etwa 30 bis 32 ATP pro Glucose bezieht sich auf die gesamte aerobe Zellatmung. Der genaue Wert kann je nach Zelle und Transportweg der Elektronen etwas variieren. Wer nur den Citratzyklus betrachtet, darf deshalb nicht die gesamte ATP-Ausbeute der Glucose angeben.
Was Schüler häufig verwechseln
Die größte Stolperfalle ist die Reihenfolge der Prozesse. Glykolyse und Citratzyklus sind nicht dasselbe: Die Glykolyse findet im Zellplasma statt und spaltet Glucose in Pyruvat. Erst danach wird Pyruvat zu Acetyl-CoA umgewandelt, das in den Kreislauf eingeht.
- CO2 entsteht nicht in der Glykolyse. Im betrachteten Kreislauf wird es in zwei oxidativen Decarboxylierungen abgespalten.
- ATP entsteht dort nur in kleiner Menge. Die meisten ATP-Moleküle bildet die Atmungskette aus NADH und FADH2.
- Oxalacetat wird nicht dauerhaft verbraucht. Es wird am Ende regeneriert und kann erneut Acetyl-CoA aufnehmen.
- FADH2 liefert weniger Energie als NADH. Es speist seine Elektronen später an einer anderen Stelle in die Atmungskette ein.
Zum Lernen rate ich dazu, nicht nur die acht Enzymnamen auswendig aufzusagen. Hilfreicher ist eine einfache Leitfrage für jeden Schritt: Was wird umgebaut, welches Reduktionsäquivalent entsteht und wird CO2 frei? Damit lässt sich der Ablauf auch dann rekonstruieren, wenn ein Name einmal nicht sofort einfällt.
Warum der Kreislauf mehr als ein Energieweg ist
Der Prozess dient nicht ausschließlich der Energiegewinnung. Seine Zwischenprodukte werden auch für den Aufbau anderer Stoffe verwendet, etwa von Aminosäuren, Fettsäuren oder bestimmten Porphyrinen. Deshalb spricht man von einem amphibolischen Stoffwechselweg, der Abbau und Aufbau miteinander verbindet.
Werden Zwischenprodukte für Biosynthesen entnommen, müssen sie wieder aufgefüllt werden. Solche Auffüllreaktionen nennt man anaplerotische Reaktionen. Dieser Ausgleich erklärt, warum der Kreislauf trotz vieler Verzweigungen weiterlaufen kann.
Auch die Regulation folgt dem Energiebedarf der Zelle. Viel ATP und NADH bremsen wichtige Enzyme, während ADP und NAD+ einen höheren Stofffluss begünstigen. Der Ablauf passt sich also laufend daran an, ob die Zelle gerade Energie speichert oder dringend bereitstellen muss.
Die passende Merkkette für die nächste Biologieaufgabe
Wenn ich den gesamten Ablauf auf einen Satz verkürzen müsste, würde ich sagen: Acetyl-CoA wird zu CO2 oxidiert, während NADH, FADH2 und GTP entstehen. Oxalacetat kommt am Ende zurück, deshalb kann der Prozess erneut beginnen.
Für eine gute Antwort in der Schule reichen meist vier Bausteine: Ort in der Mitochondrienmatrix, acht Reaktionen, Bilanz pro Acetyl-CoA und die Verbindung zur Atmungskette. Wer zusätzlich erklärt, dass Sauerstoff nur indirekt benötigt wird und der Zyklus pro Glucose zweimal abläuft, zeigt bereits ein wirklich solides Verständnis.