Warum wird aus einem Abschnitt der DNA zunächst kein Protein, sondern ein RNA-Molekül? Genau hier setzt die Transkription an. Ich zeige, wie die RNA-Polymerase ein Gen abliest, welche Rolle Promotor und Terminator spielen, warum nur ein DNA-Strang als Vorlage dient und wie aus der ersten RNA bei Eukaryoten eine nutzbare mRNA entsteht.
Die wichtigsten Fakten auf einen Blick
- Transkription bedeutet, dass ein DNA-Abschnitt in RNA umgeschrieben wird.
- Das Enzym RNA-Polymerase startet am Promotor und bildet den RNA-Strang in 5'-zu-3'-Richtung.
- Als Vorlage dient der Matrizenstrang der DNA, während der codierende Strang dieselbe Basenfolge wie die RNA besitzt, mit Thymin statt Uracil.
- Bei Eukaryoten wird die zunächst entstehende prä-mRNA durch Capping, Polyadenylierung und Spleißen bearbeitet.
- Die Transkription ist ein wichtiger Regulationspunkt der Genexpression und entscheidet mit, wann ein Gen aktiv ist.

Wie aus DNA ein RNA-Abschnitt entsteht
Die DNA enthält die Erbinformation, bleibt in einer Zelle aber meist geschützt und unverändert. Für die Nutzung eines Gens wird deshalb eine passende Arbeitskopie hergestellt. Diese Kopie besteht aus RNA und kann je nach Gen später als Bauanleitung für ein Protein dienen oder selbst eine funktionelle Aufgabe übernehmen.
Ich erkläre den Vorgang gern mit einem Rezeptvergleich. Die DNA ist das große Kochbuch, ein einzelnes Gen entspricht einem Rezept und die RNA ist die abgeschriebene Kopie, die zur richtigen Stelle in der Zelle gebracht werden kann. Entscheidend ist, dass nicht das gesamte Kochbuch kopiert wird, sondern nur der benötigte DNA-Abschnitt.
Für die Synthese setzt die Zelle das Enzym RNA-Polymerase ein. Es öffnet die DNA lokal, erkennt die passende Startregion und verbindet freie RNA-Nukleotide zu einem neuen Einzelstrang. Dabei gelten die Basenpaarungsregeln, allerdings wird in RNA die Base Uracil verwendet, wo in DNA Thymin vorkommt.
Der Ablauf in drei klaren Phasen
Initiation am Promotor
Am Anfang steht der Promotor. Das ist ein bestimmter DNA-Bereich vor dem eigentlichen Gen, an dem die RNA-Polymerase und weitere Proteine ansetzen. Der Promotor legt damit fest, wo das Abschreiben beginnt und welcher DNA-Abschnitt bearbeitet wird.
Bei Eukaryoten, etwa bei Pflanzen, Tieren und Pilzen, helfen meist zusätzliche Transkriptionsfaktoren beim Aufbau des Startkomplexes. Sie können die Polymerase anlocken, bremsen oder dafür sorgen, dass ein Gen nur in bestimmten Zelltypen aktiv wird. Genau an dieser Stelle entscheidet sich häufig, ob ein Gen überhaupt abgelesen wird.
Elongation beim Aufbau der RNA
Nach dem Start bewegt sich die Polymerase entlang der DNA. Sie liest den Matrizenstrang in 3'-zu-5'-Richtung, baut die neue RNA aber immer in 5'-zu-3'-Richtung auf. Diese Richtungen sind ein häufiger Prüfungsfehler, obwohl sie sich mit einer einfachen Regel merken lassen: Neue Nukleotide werden nur am 3'-Ende der RNA angefügt.
Die Basen passen nach diesem Schema zusammen:
| DNA-Matrizenstrang | neu gebildete RNA |
|---|---|
| Adenin | Uracil |
| Thymin | Adenin |
| Guanin | Cytosin |
| Cytosin | Guanin |
Die DNA muss dafür nicht vollständig geöffnet werden. Es reicht, wenn sich in einem kleinen Bereich die beiden Stränge voneinander lösen. Hinter der Polymerase kann sich die DNA wieder zu ihrer Doppelhelix zusammenlagern. So bleibt die Erbinformation geschützt, während die RNA Schritt für Schritt entsteht.
Termination am Endsignal
Am Ende erkennt die Polymerase ein Terminationssignal. Sie beendet die RNA-Synthese, löst sich von der DNA und gibt das RNA-Transkript frei. Die genaue Art dieses Stopps unterscheidet sich zwischen Bakterien und Eukaryoten, das Grundprinzip bleibt jedoch gleich.
Welcher DNA-Strang wird abgelesen
Die DNA besitzt zwei komplementäre Stränge, aber für ein bestimmtes Gen dient nur einer davon als Vorlage. Dieser Strang heißt Matrizenstrang, auch codogener oder nicht-codierender Strang. Die Polymerase liest ihn ab und erzeugt dazu eine komplementäre RNA-Sequenz.
Der zweite DNA-Strang wird codierender Strang genannt. Seine Basenfolge entspricht fast genau der RNA, die später entsteht. Der einzige wichtige Unterschied liegt darin, dass die DNA Thymin enthält, während die RNA an dieser Stelle Uracil besitzt.
Ich empfehle bei Aufgaben immer, zuerst den Matrizenstrang eindeutig zu markieren und die Leserichtung dazuzuschreiben. Wer sofort nur Buchstabenpaare bildet, verwechselt leicht die Leserichtung mit der Syntheserichtung oder schreibt die RNA spiegelverkehrt auf.
Ein kurzes Beispiel
Angenommen, der DNA-Matrizenstrang lautet in Leserichtung 3'-TAC GGA-5'. Die entstehende RNA lautet dann 5'-AUG CCU-3'. Das Startcodon AUG ist zugleich ein gutes Beispiel dafür, warum die korrekte Richtung wichtig ist: In umgekehrter Reihenfolge wäre die biologische Information nicht richtig lesbar.
Was mit der RNA bei Eukaryoten noch passiert
Bei Eukaryoten ist das erste RNA-Produkt meist noch keine fertige mRNA. Es heißt prä-mRNA und enthält neben Exons auch Introns. Exons bleiben in der späteren mRNA erhalten, während Introns herausgeschnitten werden.
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Die drei wichtigsten Schritte der RNA-Prozessierung
- Am 5'-Ende wird eine Cap-Struktur ergänzt. Sie schützt die RNA und unterstützt später die Erkennung durch das Ribosom.
- Am 3'-Ende entsteht ein Poly-A-Schwanz. Er erhöht unter anderem die Stabilität und erleichtert den Transport der mRNA.
- Beim Spleißen werden Introns entfernt und Exons miteinander verbunden.
Durch alternatives Spleißen kann eine Zelle aus derselben prä-mRNA unterschiedliche reife mRNAs herstellen. So kann ein einzelnes Gen zu mehreren Proteinvarianten beitragen. Für mich ist das einer der spannendsten Punkte, weil er zeigt, dass die Zahl der Gene nicht allein festlegt, wie vielfältig ein Organismus ist.
Erst nach dieser Bearbeitung wird die reife mRNA aus dem Zellkern ins Cytoplasma transportiert. Dort kann ein Ribosom sie bei der Translation in eine Aminosäurekette übersetzen. Die Transkription und die Translation sind also zwei aufeinanderfolgende, aber klar getrennte Schritte der Proteinbiosynthese.
Warum Bakterien und menschliche Zellen nicht gleich arbeiten
Bei Bakterien gibt es keinen Zellkern. DNA, RNA-Synthese und Proteinsynthese finden deshalb im selben Zellraum statt. Eine mRNA kann bereits von Ribosomen gelesen werden, während sie noch gebildet wird. Eine aufwendige Prozessierung wie bei der eukaryotischen prä-mRNA ist meist nicht erforderlich.
In menschlichen Zellen liegt die DNA dagegen im Zellkern. Zwischen dem Abschreiben und dem Übersetzen liegt die Bearbeitung und der Transport der mRNA. Die räumliche Trennung ermöglicht zusätzliche Kontrollpunkte, macht den Ablauf aber auch komplexer.
| Merkmal | Bakterien | Eukaryoten |
|---|---|---|
| Ort | Cytoplasma | Zellkern |
| RNA-Bearbeitung | meist gering | Cap, Poly-A-Schwanz und Spleißen |
| Zeitliche Kopplung | Transkription und Translation können gleichzeitig ablaufen | Translation beginnt meist erst nach dem Export der mRNA |
| Genorganisation | häufig Operons mit mehreren Genen | meist einzelne Gene mit komplexen Regulationsbereichen |
Diese Unterschiede sind besonders hilfreich, wenn eine Aufgabe nach dem Zelltyp fragt. Ein Hinweis auf Zellkern, Introns oder mRNA-Prozessierung spricht fast immer für eine eukaryotische Zelle. Fehlt ein Zellkern, sollte man an ein Bakterium denken.
Die häufigsten Denkfehler beim Lernen
Ein verbreitetes Missverständnis besteht darin, Transkription und Translation gleichzusetzen. Beim ersten Vorgang entsteht RNA aus DNA, beim zweiten entsteht ein Protein anhand der mRNA. Wer diese beiden Ebenen trennt, kann viele Aufgaben zur Proteinbiosynthese deutlich sicherer lösen.
Ebenso falsch ist die Vorstellung, dass beide DNA-Stränge gleichzeitig als Vorlage für dasselbe Gen dienen. Für einen konkreten Genabschnitt wird nur ein Strang abgelesen. Bei einem anderen Gen kann allerdings der gegenüberliegende DNA-Strang als Matrize dienen, weil Gene auf beiden DNA-Strängen liegen können.
Auch der Promotor wird häufig mit dem Gen selbst verwechselt. Er ist eine Steuerregion, die den Start der RNA-Synthese ermöglicht, gehört aber nicht einfach zur codierenden Information der späteren mRNA. Der Terminator erfüllt die Gegenaufgabe und beendet den Vorgang.
Mein praktischer Lernweg besteht aus vier Fragen. Welches Enzym arbeitet? Wo beginnt es? In welche Richtung wird die RNA aufgebaut? Und was passiert mit dem ersten RNA-Produkt? Wer diese Fragen beantworten kann, hat den Kern des Themas verstanden.
Der wichtigste Lernanker für die Prüfung
Merke dir die Reihenfolge Promotor, Initiation, Elongation, Termination und RNA-Prozessierung. Sie bildet den roten Faden vom Startsignal auf der DNA bis zur funktionsfähigen mRNA.
Für eine Klausur reicht es nicht, nur die Fachbegriffe aufzuzählen. Entscheidend ist, die Leserichtung des Matrizenstrangs, die Syntheserichtung der RNA und den Unterschied zwischen prä-mRNA und reifer mRNA erklären zu können. Dann wird aus einem auswendig gelernten Ablauf ein verständlicher biologischer Prozess.