Eine neue Klasse ist schnell still, aber selten sofort gesprächig. Die Methode find someone who bringt Lernende mit einfachen Fragen in Bewegung und verbindet Kennenlernen mit echtem Sprachtraining. Hier zeige ich, wie die Aktivität funktioniert, wie du ein passendes Arbeitsblatt erstellst und welche Anpassungen für Alter, Fach und Leistungsniveau sinnvoll sind.
Eine einfache Methode für mehr Bewegung und echte Gespräche
- Grundidee: Die Lernenden finden Mitschüler, auf die bestimmte Aussagen zutreffen.
- Zeitbedarf: Für eine Runde reichen meist 15 bis 25 Minuten.
- Sprachziel: Geübt werden Fragen, Antworten, Zuhören und kurze Nachfragen.
- Arbeitsblatt: Sinnvoll sind 8 bis 12 Aussagen mit einer Namensspalte.
- Wichtig: Persönliche, unangenehme oder schwer überprüfbare Fragen gehören nicht auf das Blatt.
Was hinter der Find-someone-who-Methode steckt
Jede Person erhält ein Blatt mit Aussagen wie „hat ein Haustier“, „liest gern“ oder „war schon einmal in Österreich“. Die Schülerinnen und Schüler bewegen sich durch den Raum, stellen passende Fragen und tragen den Namen einer Person ein, die mit „Ja“ antwortet. Die Aktivität ist damit eine Mischung aus Kennenlernspiel, Gesprächsübung und Partnerinterview.
Im Englischunterricht lässt sich die Struktur besonders leicht einsetzen. Aus „mag Fußball“ wird zum Beispiel „Do you like football?“, aus „war schon einmal in Berlin“ wird „Have you ever been to Berlin?“. Ich finde gerade diese Verbindung stark, weil die Sprache nicht isoliert geübt wird, sondern für ein klares Ziel gebraucht wird.
Die Methode eignet sich aber auch für andere Fächer. Im Mathematikunterricht können Lernende Personen finden, die eine bestimmte Rechenstrategie kennen oder ein Lieblingsthema haben. Im Sachunterricht passen Fragen zu Hobbys, Ernährung, Verkehr oder Umwelt. Entscheidend ist, dass jede Aussage einen echten Gesprächsanlass schafft.
So bereitest du die Unterrichtsstunde vor
Gute Vorbereitung entscheidet darüber, ob die Runde lebendig wird oder nach drei Minuten ins Stocken gerät. Wähle zunächst ein klares Lernziel. Soll die Klasse sich kennenlernen, den Simple Present wiederholen, Fragen im Perfekt bilden oder Fachbegriffe anwenden? Ein Arbeitsblatt mit zu vielen Zielen wirkt schnell beliebig.
Das Arbeitsblatt sinnvoll aufbauen
Für eine normale Schulstunde empfehle ich 8 bis 12 Aussagen. Neben jeder Aussage steht eine leere Zeile oder eine Tabelle, in der ein Name und optional eine kurze Zusatzinformation eingetragen werden. Die Zusatzinformation verhindert, dass die Lernenden nur Namen sammeln und dabei kaum zuhören.
| Aussage | Name | Zusatzfrage |
|---|---|---|
| Find someone who has a pet. | ____________ | What pet? |
| Find someone who likes mathematics. | ____________ | Which topic? |
| Find someone who has visited another country. | ____________ | Where? |
Formuliere die Aussagen so, dass sie ungefähr gleich schwer sind. Wenn ein Satz eine komplizierte Zeitform verlangt, sollte das vorher kurz wiederholt werden. Für Anfänger helfen Fragebausteine an der Tafel, etwa „Do you …?“, „Can you …?“ oder „Have you ever …?“.
Fragen auswählen, die niemand bloßstellen
Unproblematisch sind Fragen zu Interessen, Fähigkeiten, Lieblingsfächern, Sprachen, Medien oder alltäglichen Gewohnheiten. Vorsichtig wäre ich bei Themen wie Geld, Religion, familiären Verhältnissen, Gesundheit oder persönlichen Erfahrungen. Eine Kennenlernaktivität soll Türen öffnen und niemanden zwingen, Privates preiszugeben.
Plane außerdem Aussagen ein, die nicht nur auf die lautesten oder beliebtesten Kinder zutreffen. Eine Mischung aus häufigen, besonderen und fachbezogenen Merkmalen sorgt dafür, dass viele verschiedene Personen angesprochen werden.
Der Ablauf in fünf klaren Schritten
Die Durchführung ist unkompliziert, braucht aber einen sichtbaren Rahmen. Ohne Zeitbegrenzung sprechen manche Lernende nur mit Freunden, während andere kaum angesprochen werden.
- Beispiel geben: Spiele ein kurzes Gespräch mit einer Schülerin oder einem Schüler vor. Zeige dabei, wie man fragt, antwortet und eine Nachfrage stellt.
- Regeln klären: Ein Name darf nur eingetragen werden, wenn die Person selbst geantwortet hat. Nach Möglichkeit wird jeder Name nur einmal verwendet.
- Runde starten: Die Lernenden stehen auf, sprechen verschiedene Mitschüler an und füllen ihr Blatt aus.
- Lehrkraft beobachten lassen: Gehe herum, unterstütze bei der Aussprache und notiere typische Fehler, ohne jedes Gespräch zu unterbrechen.
- Auswerten: Bespreche einige Antworten im Plenum oder lasse die Lernenden ihre interessanteste Begegnung vorstellen.
Für eine Klasse mit 25 Kindern reichen meist 12 bis 15 Minuten Gesprächszeit. Danach sollten noch etwa fünf Minuten für die Auswertung bleiben. Bei jüngeren Kindern kann die Aktivität kürzer sein, während ältere Lernende zusätzlich eine Begründung oder eine Rückfrage formulieren.
Eine kleine Regel macht einen großen Unterschied: Die Lernenden dürfen nicht einfach auf das Blatt zeigen und einen Namen eintragen. Sie müssen die Frage tatsächlich stellen und die Antwort verstehen. So bleibt die Übung eine Kommunikationsaufgabe und wird nicht zu einer stillen Sammelaktion.
Passende Beispiele für verschiedene Lerngruppen
Für den Einstieg und das Kennenlernen
- Find someone who has a pet.
- Find someone who likes drawing.
- Find someone who speaks another language.
- Find someone who enjoys cooking.
- Find someone who has a favourite book.
Diese Aussagen sind niedrigschwellig und eignen sich für die ersten Wochen eines Schuljahres. Ich würde trotzdem nicht nur harmlose Vorlieben abfragen. Eine Zusatzfrage wie „What do you like to cook?“ verlängert das Gespräch und gibt sprachlich stärkeren Lernenden mehr Raum.
Für Grammatik und Sprachmittel
- Simple Present: Find someone who gets up before seven.
- Can: Find someone who can play an instrument.
- Past Simple: Find someone who visited a museum last month.
- Present Perfect: Find someone who has tried a new sport.
- Future forms: Find someone who is going to travel during the holidays.
Der grammatische Schwerpunkt sollte nicht zu versteckt sein. Markiere bei Bedarf das Verb oder gib eine kleine Sprachbox mit Frage und Kurzantwort vor. So erkennen die Lernenden, welche Struktur sie wiederholt verwenden sollen, statt nur einzelne Sätze auswendig abzulesen.
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Für fachübergreifende Themen
Im Mathematikunterricht kann das Blatt Aussagen enthalten wie „kennt eine andere Methode für Prozentrechnung“ oder „kann erklären, was ein Bruch ist“. Die Frage sollte dann nicht bloß lauten „Kannst du das?“, sondern zum kurzen Erklären führen. So wird aus dem Kennenlernspiel eine kooperative Lernaktivität.
Auch im Deutschunterricht funktioniert das Format gut. Mögliche Aussagen sind „hat eine Figur aus einem Roman besonders interessant gefunden“ oder „kann ein Synonym für mutig nennen“. Für Naturwissenschaften passen Fragen zu Experimenten, Tieren, Energie oder Ernährung. Die Methode wirkt dann am besten, wenn der fachliche Inhalt klein, konkret und überprüfbar bleibt.
So passt du die Aktivität an Alter und Niveau an
Nicht jede Klasse kommt mit derselben Offenheit in Bewegung. Bei jüngeren Kindern helfen Bilder, farbige Symbole und ein gemeinsamer Probedurchlauf. Bei zurückhaltenden Gruppen kann die erste Runde in Paaren beginnen, bevor sich die Lernenden frei im Raum bewegen.
| Lerngruppe | Sinnvolle Anpassung | Ziel |
|---|---|---|
| Anfänger | Bilder, Satzanfänge und Ja-Nein-Fragen | Sicherheit beim Sprechen |
| Mittelstufe | Zusatzfragen und wechselnde Zeitformen | Genauere Antworten |
| Fortgeschrittene | Begründungen und kurze Notizen | Freieres Gespräch |
| Große Klasse | Zeitlimit, feste Gesprächsbereiche oder Kleingruppen | Mehr Übersicht |
Für Lernende mit sprachlichen Schwierigkeiten kannst du die Fragen auf Karten ausgeben oder wichtige Wörter vorab sammeln. Auch ein Partner, der beim Lesen unterstützt, kann sinnvoll sein. Dabei sollte die Hilfe nicht dazu führen, dass eine Person nur mitläuft. Jede und jeder braucht eine eigene kleine Sprechaufgabe.
Bei sehr lebhaften Klassen sind klare Bewegungsregeln wichtiger als zusätzliche Spielideen. Lege fest, dass nur leise gesprochen wird, niemand dauerhaft an seinem Platz bleibt und Gespräche nach spätestens zwei Minuten gewechselt werden. Das klingt streng, schafft aber die Ruhe, in der tatsächlich viele Kontakte entstehen.
Typische Fehler und wie du sie vermeidest
Der häufigste Fehler ist ein zu volles Arbeitsblatt. 20 Aussagen sehen auf dem Papier umfangreich aus, führen im Unterricht aber oft zu Hektik und oberflächlichen Antworten. Weniger Aussagen mit besseren Fragen liefern meistens die bessere Lernwirkung.
Ein zweites Problem sind Aussagen, die nur auf eine einzige Person zutreffen. Dann sammeln sich viele Lernende bei derselben Person, während andere kaum angesprochen werden. Prüfe das Blatt vorher kurz selbst und frage dich, ob mehrere Kinder realistisch mit „Ja“ antworten könnten.
Auch eine reine Namenssuche verschenkt Potenzial. Lass die Lernenden bei zwei oder drei Feldern eine Zusatzinformation notieren, zum Beispiel einen Ort, einen Grund oder ein Beispiel. In der Auswertung kannst du daraus Sätze bilden wie „Mia likes drawing because …“ oder „Jonas has visited …“.
Schließlich sollte die Aktivität nicht als Wettbewerb zwischen „schnell“ und „langsam“ aufgebaut sein. Schüchterne Kinder, neu zugewanderte Lernende oder Personen mit Förderbedarf brauchen möglicherweise mehr Zeit. Ich bevorzuge deshalb ein Ziel wie sechs sinnvolle Gespräche statt „Wer ist zuerst fertig?“. Das stärkt Beteiligung und verhindert unnötigen Druck.
So bleibt aus einer Spielrunde ein echter Lernschritt
Die stärkste Wirkung entsteht, wenn du die Ergebnisse später noch einmal aufgreifst. Lass die Klasse etwa drei interessante Antworten anonym an der Tafel sammeln, einen kurzen Bericht schreiben oder die verwendeten Fragen in eine andere Zeitform übertragen.
Für eine schnelle Lernkontrolle genügt eine einfache Frage: Welche Formulierung konntest du sicher verwenden, und welche war noch schwierig? Die Antworten zeigen dir, ob beim nächsten Mal mehr Wortschatz, ein Grammatikbeispiel oder eine langsamere Modellphase nötig ist.
So bleibt die Methode mehr als ein netter Einstieg. Sie schafft echte Kontakte, wiederholte Sprachproduktion und verwertbare Unterrichtsergebnisse, ohne dass dafür viel Material nötig ist. Genau darin liegt ihre Stärke: Ein gut geplantes Blatt bringt Bewegung in den Raum und zugleich Struktur ins Lernen.