Nebenjob für Lehrkräfte - Genehmigung, Steuern & Fallstricke

Vorteile und Nachteile einer Nebenbeschäftigung für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Ein Lehrer kann durch einen Nebenjob mehr verdienen, aber auch mehr Stress haben.

Geschrieben von

Julian Wegener

Veröffentlicht am

3. Juli 2026

Inhaltsverzeichnis

Ein zusätzlicher Verdienst neben dem Schuldienst ist dann sinnvoll, wenn er fachlich passt und den Alltag nicht zerlegt. Für Lehrkräfte kommen vor allem Tätigkeiten infrage, die Wissen, Didaktik und Prüfungserfahrung nutzen: Nachhilfe, Kursleitungen, Materialerstellung, Korrekturen oder digitale Lernangebote. Entscheidend sind in Deutschland aber nicht nur die Idee und der mögliche Stundenlohn, sondern auch Status, Genehmigung, Arbeitszeit und Steuer.

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick

  • Verbeamtete Lehrkräfte brauchen für viele Nebentätigkeiten eine Genehmigung, tarifbeschäftigte Lehrkräfte meist nur eine Anzeige.
  • Am besten passen Aufgaben mit klarer fachlicher Nähe zum Unterricht, etwa Nachhilfe, Prüfungsvorbereitung oder Kursleitungen.
  • 2026 beträgt der Übungsleiterfreibetrag für begünstigte nebenberufliche Lehrtätigkeiten 3.300 Euro.
  • Für die Einordnung zählt nicht nur der Titel der Tätigkeit, sondern vor allem Zeitumfang, Auftraggeber und organisatorische Einbindung.
  • Wer zu viel parallel übernimmt, riskiert Überlastung, Konflikte mit dem Dienstherrn und unnötigen Verwaltungsaufwand.

Warum ein Nebenjob für Lehrkräfte so besonders geregelt ist

Ein Nebenjob für Lehrerinnen und Lehrer ist nie nur eine Frage von Motivation oder Fachkenntnis. Wer im Schulbetrieb arbeitet, bewegt sich in einem Feld, in dem Vertrauen, Verfügbarkeit und Unabhängigkeit eine große Rolle spielen. Deshalb wird genauer hingeschaut als bei vielen anderen Berufen: Nicht jede zusätzliche Stunde ist automatisch unproblematisch, und nicht jede gut gemeinte Tätigkeit ist ohne Weiteres erlaubt.

Wie die Bezirksregierung Arnsberg für NRW beschreibt, müssen verbeamtete Lehrkräfte Nebentätigkeiten meist vorher genehmigen lassen; bei Tarifbeschäftigten reicht für entgeltliche Nebentätigkeiten in der Regel eine Anzeige. Das klingt formal, ist aber sinnvoll: So wird früh geprüft, ob sich die Zusatzarbeit mit dem Hauptamt verträgt, ob Interessenkonflikte drohen und ob die Belastung noch tragbar bleibt. Genau deshalb lohnt zuerst der Blick auf die Tätigkeiten, die inhaltlich wirklich passen.

Welche Tätigkeiten sich in der Praxis wirklich eignen

Ich würde bei Lehrkräften immer mit Tätigkeiten starten, die direkt an den Unterricht anschließen. Je näher der Zusatzjob an den eigenen Fächern, desto geringer ist der Einarbeitungsaufwand und desto glaubwürdiger ist auch das Angebot. Für eine Bildungsseite wie Matheblatt.de sind vor allem Formate interessant, die Unterrichtserfahrung in gut nutzbare Inhalte übersetzen: Erklärtexte, Arbeitsblätter, Übungen, Tests und kurze Lernvideos.

Tätigkeit Warum sie passt Worauf ich achten würde
Nachhilfe und Lerncoaching Direkter Fachbezug, flexible Termine, klarer Bedarf bei Eltern und Schülern Elternkommunikation, Vorbereitung und die Gefahr, dass einzelne Termine mehr Zeit fressen als geplant
Kursleitungen an VHS, Schule oder Verein Klare Lernziele, oft feste Gruppen, didaktisch nah am Schulalltag Träger prüfen, Genehmigung oder Anzeige klären, auf die Vertragsform achten
Materialerstellung und Lerncontent Gut skalierbar, einmal erstellte Inhalte können mehrfach genutzt werden Der Aufbau dauert länger, Einnahmen kommen oft verzögert
Prüfungsvorbereitung und Abiturtrainings Hoher Bedarf, besonders in Prüfungsphasen Saisonal stark schwankend, fachlich verantwortungsvoll
Korrekturen, Gutachten und fachliche Textarbeit Planbarer als offene Kundenarbeit, fachlich oft gut passend Honorare schwanken, nicht jede Aufgabe ist dauerhaft verfügbar
Ferienprojekte und Lerncamps Kompakte Zeitfenster, klar kalkulierbare Einsätze Belastung konzentriert sich auf wenige Tage, daher nur mit guter Regeneration sinnvoll

Private Eins-zu-eins-Nachhilfe zahlt sich oft schnell aus, aber sie ist auch der Klassiker mit versteckten Folgekosten: Anfahrt, Absagen, Vor- und Nachbereitung, Elternkontakt und ständig neue Terminabstimmung. Ich sehe sie deshalb nicht automatisch als die beste Lösung. Wer langfristig denkt, fährt mit einem Format besser, das sich bündeln oder wiederverwenden lässt. Damit ist der fachliche Teil sortiert, aber erst der rechtliche Rahmen entscheidet, ob der Plan sauber umsetzbar ist.

Wie sich Beamte und angestellte Lehrkräfte unterscheiden

Der Status macht einen großen Unterschied. Verbeamtete Lehrkräfte müssen Nebentätigkeiten in vielen Fällen vorab genehmigen lassen, während angestellte Lehrkräfte entgeltliche Nebentätigkeiten meist nur anzeigen müssen. Der praktische Unterschied ist erheblich: Genehmigung heißt echte Prüfung, Anzeige heißt nicht automatisch freie Fahrt, sondern vor allem Transparenz.

Status Was meist gilt Praktische Folge
Verbeamtet Nebentätigkeiten sind häufig genehmigungspflichtig Vorher schriftlich klären, ob Umfang, Art und Auftraggeber zulässig sind
Tarifbeschäftigt Entgeltliche Nebentätigkeiten müssen in der Regel angezeigt werden Der Arbeitgeber kann Auflagen machen oder die Tätigkeit untersagen, wenn Pflichten beeinträchtigt werden
Selbständig auf Honorarbasis Vertrag, Rechnung, Steuer und Abgrenzung sind entscheidend Mehr Freiheit, aber auch mehr Eigenverantwortung bei Abrechnung und Dokumentation

Ein häufiger Denkfehler ist die Annahme, dass jede zusätzliche Unterrichtsstunde automatisch als freiberufliche Nebentätigkeit gilt. So einfach ist es nicht: Die konkrete Einordnung hängt davon ab, ob die Arbeit in den regulären Schulbetrieb eingebettet ist, wer der Auftraggeber ist und wie der Vertrag aussieht. Wer das ignoriert, baut sich schnell ein steuerliches oder arbeitsrechtliches Problem ein, das sich später teuer rächt. Erst wenn das klar ist, lohnt sich ein genauer Blick auf die Steuer und auf die Frage, was nebenberuflich überhaupt noch als klein genug gilt.

Welche steuerlichen Regeln ich nicht übersehen würde

Das Bundesfinanzministerium nennt für 2026 einen Übungsleiterfreibetrag von 3.300 Euro. Begünstigt sind nebenberufliche Lehr- und Vortragstätigkeiten im Rahmen der allgemeinen Bildung und Ausbildung, etwa Kurse und Vorträge an Schulen oder Volkshochschulen. Für reine Ehrenamtsaufgaben gibt es zusätzlich die Ehrenamtspauschale von 960 Euro. Das ist für Lehrkräfte nützlich, aber kein Automatismus: Die steuerliche Begünstigung hängt immer von der konkreten Tätigkeit und vom Auftraggeber ab.

Für die Einordnung als nebenberuflich sind außerdem zwei Richtwerte wichtig. Erstens gilt eine Tätigkeit in der Regel als nebenberuflich, wenn sie bezogen auf das Kalenderjahr nicht mehr als ein Drittel der Arbeitszeit eines vergleichbaren Vollzeitjobs ausmacht oder regelmäßig höchstens 14 Stunden pro Woche beansprucht. Zweitens nennt das Finanzrecht bei Lehrkräften einen Umfang von durchschnittlich bis zu sechs Unterrichtsstunden pro Woche und Einrichtung als klaren Anhaltspunkt für geringen Umfang. Ich würde private 1:1-Nachhilfe deshalb nie blind in dieselbe Logik einordnen, sondern die konkrete Form vorher sauber prüfen. Mit dieser Einordnung wird die Auswahl schon deutlich enger, und genau dort setze ich im nächsten Schritt an.

Wie ich einen Zusatzjob sinnvoll auswähle

Wenn ich eine Lehrkraft bei der Auswahl beraten müsste, würde ich nicht mit der Vergütung anfangen, sondern mit der Belastung. Ein guter Nebenerwerb passt dann, wenn er in einen echten Wochenrhythmus passt und nicht nur auf dem Papier attraktiv wirkt. Für den Einstieg nehme ich lieber ein enges, sauberes Format als ein scheinbar lukratives Projekt mit vielen offenen Enden.

  1. Fachliche Nähe prüfen. Je näher die Tätigkeit an den eigenen Fächern liegt, desto weniger Vorbereitungszeit frisst sie im Alltag.
  2. Das Zeitfenster festlegen. Ein klarer Termin pro Woche ist oft besser als dauernde Verfügbarkeit auf Zuruf.
  3. Die Nebenaufgaben mitdenken. Vorbereitung, Korrektur, Kommunikation und Abrechnung gehören immer dazu, nicht nur die sichtbare Unterrichtsstunde.
  4. Den rechtlichen Rahmen vorher klären. Anzeige, Genehmigung, Auftraggeber und Vertragsart müssen vor dem Start sauber stehen.
  5. Mit einem Pilotlauf beginnen. Zwei bis drei Monate reichen oft, um zu sehen, ob der Nebenjob wirklich tragfähig ist.

Am einfachsten funktionieren Tätigkeiten, die sich in Blöcke packen lassen: ein wöchentlicher Kurs, ein festes Nachhilfefenster oder ein klar umrissenes Paket an Lernmaterialien. Wenn die Aufgabe nur mit ständiger Erreichbarkeit funktioniert, ist sie für Lehrkräfte meist zu teuer erkauft. Wer diese Grenze ehrlich zieht, trifft schneller bessere Entscheidungen als jemand, der nur auf den möglichen Stundenlohn schaut. Genau an dieser Stelle passieren die meisten Fehler.

Welche Fehler ich in der Praxis am häufigsten sehe

Der größte Fehler ist aus meiner Sicht nicht die falsche Idee, sondern die falsche Rechnung. Viele rechnen nur die bezahlte Stunde und vergessen alles, was davor und danach passiert. Genau das macht viele Nebenjobs für Lehrkräfte unattraktiver, als sie auf den ersten Blick wirken.

  • Nur den Stundensatz betrachten. Eine Stunde Unterricht kann in Wahrheit zwei Stunden Arbeit bedeuten, wenn Vorbereitung und Nachbereitung dazukommen.
  • Ohne Meldung starten. Wer den formalen Schritt überspringt, produziert vermeidbaren Ärger.
  • Zu viele Formate parallel anbieten. Nachhilfe, Materialerstellung, Kurse und Prüfungscoaching gleichzeitig klingen gut, überfordern aber oft schnell.
  • Die Schuljahresspitzen unterschätzen. Prüfungsphasen, Korrekturwochen und Elterngespräche machen Zusatzeinnahmen schnell zur Belastung.
  • Keine klare Trennung zwischen Schule und Nebenjob ziehen. Eigene Zeit, eigene Kanäle und eigene Abrechnung sind Pflicht, nicht Kür.
  • Zu früh skalieren. Erst wenn ein Format über mehrere Wochen stabil läuft, lohnt sich die Ausweitung.

Die beste Faustregel ist simpel: Wenn ein Nebenjob mehr Reibung erzeugt als fachliche Befriedigung, ist er selten langfristig gut. Wer die typischen Fallstricke kennt, spart Zeit, Energie und Diskussionen mit dem Dienstherrn oder Auftraggeber. Genau deshalb würde ich den letzten Schritt immer bewusst und nicht aus dem Bauch heraus gehen.

Womit ich 2026 starten würde, wenn ich heute neu plane

  • Erst Status und Zustimmung klären. Ohne sauberen Rahmen kein Start.
  • Dann ein kleines, fachnahes Format wählen. Nachhilfe, ein Kurs oder Lernmaterial sind oft die stabilsten Einstiege.
  • Auftraggeber und Abrechnung sauber trennen. Schule, Verein, Verlag oder private Kundschaft sollten nicht vermischt werden.
  • Erst danach die Stunden erhöhen. Was sich in kleinem Umfang bewährt, kann später wachsen.

Für mich ist der beste Nebenverdienst für Lehrkräfte nicht der lauteste, sondern der, der zu den eigenen Fächern, zum Schulrhythmus und zur verfügbaren Energie passt. Wer mit einer klar abgegrenzten Nebentätigkeit startet, baut sich deutlich stabiler etwas auf als mit einem großen Projekt, das schon nach wenigen Wochen an Verwaltung oder Müdigkeit scheitert.

Häufig gestellte Fragen

Ja, verbeamtete Lehrkräfte müssen Nebentätigkeiten in vielen Fällen vorab genehmigen lassen. Bei tarifbeschäftigten Lehrkräften reicht meist eine Anzeige. Dies dient der Prüfung von Vereinbarkeit mit dem Hauptamt und möglichen Interessenkonflikten.

Besonders geeignet sind Tätigkeiten mit direktem Fachbezug zum Unterricht, wie Nachhilfe, Kursleitungen an VHS, Prüfungsvorbereitung oder die Erstellung von Lernmaterialien. Sie nutzen vorhandenes Wissen und minimieren den Einarbeitungsaufwand.

Ja, der Übungsleiterfreibetrag (2026: 3.300 €) begünstigt nebenberufliche Lehr- und Vortragstätigkeiten. Auch die Ehrenamtspauschale kann relevant sein. Die konkrete Begünstigung hängt von der Art der Tätigkeit und dem Auftraggeber ab.

Ein häufiger Fehler ist, nur den Stundensatz zu betrachten und Vor- sowie Nachbereitungszeiten zu ignorieren. Auch das Starten ohne Meldung oder das Anbieten zu vieler Formate gleichzeitig kann zu Problemen führen und überfordern.

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Ich bin Julian Wegener und beschäftige mich seit über einem Jahrzehnt mit den Themen Bildung und deren Entwicklung. In meiner Rolle als Fachredakteur habe ich umfassende Kenntnisse in verschiedenen Bildungsbereichen, insbesondere in der digitalen Bildung und den neuesten Lehrmethoden, erworben. Mein Ziel ist es, komplexe Informationen verständlich zu machen und den Lesern eine objektive Analyse der aktuellen Trends und Herausforderungen im Bildungssektor zu bieten. Ich lege großen Wert auf die Bereitstellung von präzisen, aktuellen und vertrauenswürdigen Informationen, um sicherzustellen, dass meine Leser gut informiert sind und fundierte Entscheidungen treffen können.

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