Schulherbar - Schritt für Schritt zum wertvollen Pflanzenarchiv

Zeichnung eines Tulpenjahres für das Herbarium der Schule: Von der Zwiebel im Januar bis zur Blüte im Mai und zurück zur Zwiebel im Herbst.

Geschrieben von

Burkhard Schultz

Veröffentlicht am

2. Juli 2026

Inhaltsverzeichnis

Ein Schulherbar ist mehr als ein Bastelprojekt: Es verbindet Naturbeobachtung, sauberes Arbeiten und grundlegende botanische Kenntnisse auf eine Weise, die im Unterricht sofort greifbar wird. Wer Pflanzen richtig auswählt, presst, beschriftet und ordnet, bekommt daraus ein Material, das nicht nur hübsch aussieht, sondern im Sachunterricht und in Biologie wirklich etwas leistet. Ich zeige hier Schritt für Schritt, wie so ein Projekt sinnvoll aufgebaut wird, welche Pflanzen sich eignen und wo in Deutschland die Grenzen beim Sammeln liegen.

Die wichtigsten Regeln für ein gelungenes Schulherbar

  • Am besten funktionieren frische, trockene und klar erkennbare Pflanzen aus der direkten Umgebung.
  • Unbekannte oder geschützte Arten lässt man im Zweifel stehen.
  • Zum Trocknen braucht man meist mindestens 1 bis 2 Wochen, für ein komplettes Schulprojekt eher 3 bis 4 Wochen.
  • Auf jeden Herbarbogen gehören mindestens Name, Fundort, Datum und der Name der sammelnden Person.
  • Für jüngere Klassen reichen wenige, sauber dokumentierte Belege; ältere Schülerinnen und Schüler können zusätzlich botanische Namen und Standortangaben ergänzen.

Was ein Schulherbar wirklich leisten soll

Ein Herbar ist im Kern eine Sammlung getrockneter und gepresster Pflanzen oder Pflanzenteile. Im schulischen Kontext geht es dabei nicht darum, möglichst viele Exemplare zusammenzutragen, sondern genau hinzusehen: Wie ist ein Blatt aufgebaut? Woran erkenne ich eine Blüte? Welche Merkmale helfen bei der Bestimmung? Genau deshalb funktioniert das Projekt so gut im Unterricht.

Ich setze solche Aufgaben gern ein, weil sie mehrere Lernziele gleichzeitig bedienen. Die Kinder oder Jugendlichen arbeiten naturwissenschaftlich, üben Geduld und Sorgfalt und lernen zugleich heimische Arten kennen. Besonders stark wird der Effekt, wenn das Herbar nicht als isolierte Bastelarbeit läuft, sondern mit Bestimmung, Standortbeobachtung und kurzer Auswertung verbunden ist. Dann entsteht nicht nur eine Mappe, sondern ein kleines Arbeitsarchiv.

Je nach Klassenstufe kann der Anspruch deutlich variieren. In der Grundschule reicht oft ein einfaches Pflanzen- oder Blätterheft mit wenigen Angaben. In der Sekundarstufe darf es genauer sein: Familienzuordnung, botanische Namen, Standortbedingungen und Vergleich mehrerer Arten machen das Projekt fachlich belastbarer. Bevor es an das Material geht, sollte deshalb klar sein, auf welchem Niveau das Herbar geführt werden soll.

Welche Pflanzen sich eignen und welche ich lieber stehen lasse

Die Pflanzenauswahl entscheidet fast alles. Am einfachsten lassen sich kleine, nicht zu fleischige und gut erkennbare Arten pressen: Wiesenblumen, Gräser, Blätter von Bäumen und Sträuchern oder dünne Zweige. Schwieriger sind sehr dicke, saftige oder stark strukturierte Pflanzen. Nicht alles, was draußen schön aussieht, ergibt im Herbar ein gutes Ergebnis.

Geeignet Warum es funktioniert Worauf ich achte
Wiesenblumen und Kräuter Viele Merkmale bleiben nach dem Pressen erkennbar Nur gesunde, unverletzte Exemplare mitnehmen
Gräser Sie trocknen meist gleichmäßig und flach Am besten mit Blüte oder Fruchtstand sammeln
Blätter von Bäumen und Sträuchern Ideal für Herbstprojekte und einfache Bestimmung Ein Blatt mit Stiel und möglichst typischer Form wählen
Dünne Zweige Zeigen Aufbau und Verzweigung gut Nur schlanke, gut pressbare Stücke verwenden
Sehr saftige Pflanzen, dicke Sukkulenten, manche Nadelgehölze Oft ungeeignet oder nur mit viel Aufwand sauber zu trocknen Mit Frust rechnen, wenn die Form nicht stabil bleibt

Für den Schulalltag gilt für mich eine klare Regel: Keine geschützten Arten, keine Pflanzen aus Naturschutzgebieten und keine Exemplare, die am Standort ohnehin selten sind. Unbekannte Arten sammle ich nur dann, wenn ich sie sicher bestimmen kann. Giftige Pflanzen wie Fingerhut, Eisenhut oder Herbstzeitlose würde ich im Unterricht grundsätzlich meiden. Das reduziert Risiko und erklärt den Kindern nebenbei, dass Naturbeobachtung immer auch Verantwortung bedeutet.

Besonders sinnvoll ist es, auf Pflanzen zu setzen, die in der Umgebung wirklich häufig vorkommen. Dann wird das Herbar automatisch regionaler und anschaulicher. Und genau deshalb lohnt sich im nächsten Schritt ein sauberer Aufbau mit dem richtigen Material.

Getrocknete Blumen, wie in einem Herbarium der Schule, liegen auf Seiten eines Buches.

So bereiten Sie Material und Aufbau ohne Umwege vor

Für ein gutes Schulherbar braucht man weniger Spezialausrüstung, als viele denken. Entscheidend sind Zwischenlagen zum Trocknen, ein fester Untergrund und genügend Platz zum Beschriften. Eine fertige Pflanzenpresse ist praktisch, aber nicht zwingend nötig. Auch Zeitungspapier, saugfähiges Papier, schwere Bücher oder Holzplatten funktionieren, wenn sauber gearbeitet wird.

  • Zum Sammeln: Beutel oder Mappe, Notizzettel, Stift, bei unsicheren Arten Handschuhe.
  • Zum Pressen: Zeitungspapier oder Löschpapier, Karton oder Holzplatten, Bindung oder Gewichte.
  • Zum Aufkleben: weißer oder heller Karton im Format DIN A4, schmale Papierstreifen oder säurearmer Kleber.
  • Zum Dokumentieren: Etiketten, Lineal, eventuell Lupe und Bestimmungshilfe.

Ich halte den Aufbau bewusst schlicht. Je mehr Bastelzubehör im Spiel ist, desto eher rutscht das Projekt in Richtung Deko statt Dokumentation. Ein sauberer DIN-A4-Herbarbogen, ordentlich beschriftet, ist für den Unterricht meist wertvoller als ein aufwendig gestaltetes Heft, bei dem die Pflanze selbst kaum noch im Mittelpunkt steht. Wer mit jüngeren Kindern arbeitet, kann zusätzlich ein Deckblatt und ein einfaches Inhaltsverzeichnis nutzen; für ältere Lernende reicht oft ein klar gegliedertes Sammelblatt.

Praktisch ist außerdem, die Blätter oder Bögen direkt zu nummerieren. So lassen sich Funddaten, Pflanzenname und spätere Auswertung leichter zuordnen. Mit dieser Basis ist das eigentliche Sammeln deutlich entspannter.

So sammelt, presst und trocknet man Pflanzen richtig

Der wichtigste Fehler passiert ganz am Anfang: zu spät pressen. Frische Pflanzen trocknen deutlich besser als angewelkte. Ich würde deshalb am selben Tag arbeiten, an dem die Pflanze gesammelt wurde. Für den Unterricht heißt das: erst auswählen, dann sofort in die Presse oder zwischen Papier legen.

  1. Bei trockenem Wetter sammeln.
  2. Nur vollständige, typische und unbeschädigte Exemplare nehmen.
  3. Mindestens einen Fundzettel mit Datum und Fundort beilegen.
  4. Die Pflanze zwischen Zeitungspapier oder Löschpapier legen.
  5. Mit Karton, Holzplatten oder einer Presse gleichmäßig beschweren.
  6. Die Zwischenlagen nach 1 bis 2 Tagen wechseln, damit nichts schimmelt.
  7. Die meisten Pflanzen nach etwa 1 Woche prüfen; sicherer sind oft 2 Wochen.

Wichtig ist auch der Standort der Presse. Sie soll warm und trocken stehen, aber nicht in der Sonne und nicht direkt neben einer Heizung. Sonst trocknen die Pflanzenteile zu schnell, verformen sich oder werden brüchig. Wenn eine Pflanze nach dem ersten Trocknen noch etwas biegsam ist, lässt sie sich beim Umlegen oft besser ausrichten: Blätter können geglättet, Blüten vorsichtig geöffnet werden. Das ist ein kleiner Unterschied, der am Ende viel ausmacht.

Für die Schule bewährt sich meist ein realistischer Zeitrahmen von 3 bis 4 Wochen. So bleibt genug Luft für Sammeln, Trocknen, Beschriften und kurze Auswertung. Wer das Projekt enger plant, riskiert feuchte Pflanzen, Schimmel oder hektisch geklebte Bögen. Und genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob das Ergebnis am Ende fachlich brauchbar ist.

Beschriften und auswerten im Unterricht

Ein Herbar wird erst dann wirklich didaktisch wertvoll, wenn die Belege sauber dokumentiert sind. Auf den Bogen gehören mindestens deutscher Name, Fundort, Datum und Name der sammelnden Person. Für ältere Schülerinnen und Schüler kommen oft noch botanischer Name, Pflanzenfamilie und Standortbeschreibung dazu. Der Unterschied zwischen Fundort und Standort ist dabei sinnvoll zu erklären: Der Fundort ist die konkrete Stelle des Sammelns, der Standort beschreibt den typischen Lebensraum der Pflanze.

Schulstufe Empfohlener Schwerpunkt Typischer Umfang Didaktischer Gewinn
Grundschule Beobachten, benennen, ordentlich arbeiten 3 bis 5 Pflanzen oder Blätter Einfacher Zugang zur Natur und zu ersten Fachbegriffen
Sekundarstufe I Bestimmen, vergleichen und dokumentieren 5 bis 8 Belege Saubere Fachsprache und genaues Zuordnen von Merkmalen
Sekundarstufe II Systematik, Familien und Standortbezug Gezielte Auswahl statt Masse Vertiefte botanische und ökologische Auswertung

Wenn ich ein solches Projekt bewerte, schaue ich nicht zuerst auf die Optik, sondern auf die Qualität der Arbeit: Ist die Pflanze sauber gepresst? Sind die Angaben vollständig? Wurde sorgfältig bestimmt? Ist die Auswahl plausibel? Genau diese Transparenz hilft auch den Lernenden, weil sie verstehen, dass Naturbeobachtung kein Zufallsprodukt ist. Als Ergänzung kann eine kurze Präsentation sinnvoll sein, in der jede Gruppe ihre wichtigste Pflanze vorstellt und ein Merkmal erklärt. Das stärkt Sprache, Fachwissen und Selbstständigkeit zugleich.

Wer das Herbar später noch nutzen will, sollte es trocken, flach und lichtgeschützt aufbewahren. Sonst bleichen die Pflanzen aus oder lösen sich an den Klebestellen. Damit ist der Weg frei für die eigentliche Frage: Wie wird aus dem Einzelprojekt ein sinnvoller Baustein im Schulalltag?

Worauf ich bei einem Schulprojekt am Ende am meisten achte

Ein gutes Schulherbar entsteht nicht durch möglichst viele Pflanzen, sondern durch klare Regeln, passende Auswahl und genug Zeit. Ich würde lieber fünf sauber dokumentierte Belege haben als zwölf hastig zusammengestellte Seiten. Das ist nicht nur schöner, sondern auch fachlich deutlich stärker. Gerade im Schulkontext zählt Qualität hier mehr als Menge.

Für mich funktioniert das Projekt am besten, wenn es an die Umgebung der Schule anknüpft: Wiesenpflanzen vom Schulweg, Blätter aus dem Park, typische Sträucher vom Rand des Schulhofs. So wird aus einem einfachen Herbar ein lokales Naturinventar, das die Kinder wirklich wiedererkennen. Und genau dieser Wiedererkennungseffekt macht den Unterschied zwischen einer Pflichtaufgabe und einem Projekt, das im Gedächtnis bleibt.

Wenn ich einen einzigen Rat geben müsste, dann diesen: Erst die Pflanze verstehen, dann sauber dokumentieren, erst danach gestalten. Wer so vorgeht, bekommt ein Schulherbar, das im Unterricht mehrfach einsetzbar ist und seine Aussagekraft behält.

Häufig gestellte Fragen

Ein Schulherbar ist eine Sammlung getrockneter Pflanzen, die Naturbeobachtung, Sorgfalt und botanisches Wissen fördert. Es hilft Schülern, heimische Arten kennenzulernen und naturwissenschaftliche Arbeitsweisen zu üben, von der Grundschule bis zur Sekundarstufe.

Am besten eignen sich kleine, nicht zu fleischige und gut erkennbare Pflanzen wie Wiesenblumen, Gräser oder Blätter. Vermeiden Sie geschützte oder giftige Arten sowie sehr dicke oder saftige Pflanzen, die schwer zu trocknen sind.

Sammeln Sie frische, unbeschädigte Pflanzen bei trockenem Wetter. Legen Sie sie sofort zwischen saugfähiges Papier (z.B. Zeitung) und beschweren Sie sie gleichmäßig. Wechseln Sie die Papierlagen nach 1-2 Tagen, um Schimmel zu vermeiden. Der Trocknungsprozess dauert 1-2 Wochen.

Mindestens der deutsche Name, Fundort, Datum und der Name des Sammlers. Für ältere Schüler kommen botanischer Name, Pflanzenfamilie und Standortbeschreibung hinzu. Eine saubere Dokumentation macht das Herbar didaktisch wertvoll.

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