Ein Schulherbarium verbindet Naturbeobachtung, Biologie und sorgfältiges Dokumentieren. Ich zeige, wie man geeignete Pflanzen auswählt, sie in Deutschland verantwortungsvoll sammelt, richtig presst und zu übersichtlichen Herbarblättern für den Unterricht gestaltet.
Mit wenigen Regeln entsteht eine brauchbare Pflanzensammlung
- 10 bis 15 Arten reichen für ein erstes Schulprojekt meist aus.
- Fundort und Sammeldatum gehören auf jedes Herbarblatt.
- Pflanzen möglichst am selben Tag pressen, damit sie nicht welken oder schimmeln.
- Das Papier während der Trocknung alle 1 bis 2 Tage wechseln.
- Geschützte Pflanzen und Pflanzen aus Naturschutzgebieten bleiben unberührt.

Was ein gutes Schulherbarium leisten soll
Ein Herbarium ist eine Sammlung getrockneter und gepresster Pflanzen oder Pflanzenteile. Für die Schule geht es dabei nicht darum, möglichst viele Blätter zu füllen. Entscheidend ist, dass jedes Exemplar bestimmbar, sauber erhalten und nachvollziehbar beschriftet ist.
Ich empfehle für den Einstieg eine überschaubare Auswahl aus verschiedenen Lebensräumen. Eine Wiesenpflanze, ein Baumblatt, ein Gras, ein Farn und eine Gartenpflanze zeigen mehr Unterschiede als zehn sehr ähnliche Blüten. So wird aus dem Sammelalbum eine kleine botanische Dokumentation.
Diese Angaben gehören auf jedes Herbarblatt
| Angabe | Beispiel |
|---|---|
| Deutscher Name | Spitzwegerich |
| Wissenschaftlicher Name | Plantago lanceolata |
| Fundort | Wiese am Schulweg, Köln |
| Sammeldatum | 15. Mai 2026 |
| Lebensraum | Trockene Wiese |
| Name und Klasse | Vor- und Nachname, Klasse 6b |
Die wissenschaftliche Bezeichnung ist besonders hilfreich, weil deutsche Pflanzennamen regional unterschiedlich sein können. Bei jüngeren Kindern genügt zunächst der deutsche Name, bei älteren Klassen kann zusätzlich die Familie oder die Blütenform bestimmt werden.
Die passenden Pflanzen auswählen und verantwortungsvoll sammeln
Gesammelt wird am besten bei trockenem Wetter, nachdem der Morgentau verschwunden ist. Nasse Pflanzen trocknen langsam, verfärben sich leichter und können zwischen den Papierlagen schimmeln. Ich nehme bevorzugt gesunde Exemplare mit gut erkennbaren Blättern, Blüten oder Früchten.
In Deutschland gilt beim Sammeln wild wachsender Pflanzen die sogenannte Handstraußregel. Kleine Mengen dürfen grundsätzlich für den persönlichen Bedarf entnommen werden, sofern der Ort kein Betretungs- oder Sammelverbot hat und die Pflanzen nicht besonders geschützt sind. Für ein Schulprojekt sollte man trotzdem sparsam und pfleglich sammeln.
Was besser nicht ins Sammelglas kommt
- keine Pflanzen aus Naturschutzgebieten oder abgesperrten Flächen
- keine geschützten Arten wie viele Orchideen, Enziane oder wild wachsende Farne
- keine vollständige Pflanze mit Wurzel, wenn ein Blatt- oder Blütentrieb genügt
- keine Pflanzen direkt an stark befahrenen Straßen
- keine unbekannten Pflanzen, wenn eine Verwechslung mit einer giftigen Art möglich ist
Bei Unsicherheit lasse ich die Pflanze stehen und fotografiere sie stattdessen. Für den Unterricht eignen sich auch Pflanzen aus dem eigenen Garten, Schulgarten oder Blumentopf. Dort ist die Herkunft klar, und die Sammlung lässt sich mit Beobachtungen zu Standort, Pflege und Blüte ergänzen.
Eine sinnvolle Auswahl für den Anfang
| Pflanzentyp | Geeignete Beispiele | Lernchance |
|---|---|---|
| Blattpflanze | Ahorn, Hasel, Spitzwegerich | Blattform und Blattrand vergleichen |
| Blütenpflanze | Löwenzahn, Gänseblümchen, Klee | Blütenaufbau und Blütenfarbe untersuchen |
| Gras | Wiesenrispe oder ein gewöhnliches Wiesengras | Schmale Blätter und Ähren erkennen |
| Baum oder Strauch | Buche, Eiche, Hasel | Blätter und Früchte zuordnen |
So werden Pflanzen richtig gepresst und getrocknet
Nach dem Sammeln sollte die Pflanze nicht stundenlang in einer Plastiktüte liegen. Ich lege sie möglichst noch am selben Tag in die Presse. Für den Transport reichen ein beschrifteter Papierumschlag oder ein lockerer Beutel, in dem die Pflanze nicht zerquetscht wird.
- Die Pflanze vorsichtig zwischen zwei saugfähige Papierbögen legen.
- Blätter und Blüten so ausrichten, dass wichtige Merkmale sichtbar bleiben.
- Eine Lage Wellpappe oder ein dickes Stück Karton darüberlegen.
- Weitere Pflanzen auf dieselbe Weise schichten und alles gleichmäßig beschweren.
- Das Papier alle 1 bis 2 Tage gegen trockenes Papier austauschen.
- Die Probe nach ungefähr 7 bis 14 Tagen kontrollieren.
Eine einfache Presse lässt sich aus zwei festen Holzplatten, Karton, saugfähigem Papier und vier Schrauben bauen. Für ein einzelnes Projekt genügt oft ein Stapel schwerer Bücher. Wichtig ist nicht die teure Ausrüstung, sondern gleichmäßiger Druck und trockene Zwischenlagen.
Als grobe Richtwerte reichen für eine selbst gebaute Lösung meist 0 bis 10 Euro, eine fertige kleine Pflanzenpresse kostet häufig etwa 15 bis 35 Euro. Nasse oder sehr fleischige Pflanzenteile brauchen länger. Bei ihnen sollte man besonders konsequent Papier wechseln, sonst ist die Mühe schnell durch Schimmel zunichte.
Herbarblätter gestalten und sauber beschriften
Für die fertigen Belege eignet sich weißer Karton im Format DIN A4. Die getrocknete Pflanze wird möglichst flach aufgelegt und mit kleinen Papierstreifen oder sparsam eingesetztem Kleber befestigt. Klebeband direkt auf Blüten und Blätter wirkt zwar schnell, vergilbt aber häufig und beschädigt empfindliche Teile.
Das Etikett kann unten rechts oder unterhalb der Pflanze stehen. Es sollte gut lesbar sein und immer dieselbe Reihenfolge verwenden. Dadurch sehen die einzelnen Seiten zusammengehörig aus und lassen sich später leichter vergleichen.
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Ein einfaches Beschriftungsmuster
Deutscher Name: Gänseblümchen
Wissenschaftlicher Name: Bellis perennis
Fundort: Schulhof, sonnige Rasenfläche
Datum: 15. Mai 2026
Besonderheit: Körbchenblüte mit weißen Zungenblüten
Ich würde zusätzlich einen kleinen Beobachtungssatz aufnehmen. Angaben wie „wächst auf feuchtem Boden“ oder „blüht besonders häufig am Wegrand“ machen das Blatt fachlich interessanter als eine reine Namensliste.
Typische Fehler und sinnvolle Varianten für den Unterricht
Der häufigste Fehler ist zu viel Material auf einmal. Werden 30 Pflanzen gesammelt, bevor die ersten getrocknet sind, gehen schnell Funddaten verloren. Besser funktioniert ein fester Ablauf mit kleinen Sammelterminen, an denen jede Pflanze sofort beschriftet und gepresst wird.
Auch eine ungenaue Bestimmung ist problematisch. Der Name sollte erst festgelegt werden, wenn Blätter, Blüten oder Früchte geprüft wurden. Eine Pflanzen-App kann bei der Vorauswahl helfen, ersetzt aber nicht immer ein Bestimmungsbuch oder die Kontrolle durch die Lehrkraft.
| Variante | Vorteil | Grenze |
|---|---|---|
| Klassisches Herbarium | Haptisch, dauerhaft und gut vergleichbar | Benötigt Platz und sorgfältiges Trocknen |
| Digitales Herbarium | Keine Entnahme nötig, Fotos lassen sich schnell teilen | Merkmale wie Blattdicke oder Oberfläche sind schlechter erfahrbar |
| Kombinierte Lösung | Gepresste Probe plus Foto und Standortnotiz | Etwas mehr Arbeitsaufwand |
Für jüngere Klassen finde ich eine Kombination aus Foto, Zeichnung und wenigen gepressten Pflanzen besonders gelungen. Ältere Schülerinnen und Schüler können zusätzlich Blattformen messen, Standorte kartieren oder die Arten nach Familien ordnen. So passt dieselbe Grundidee zu unterschiedlichen Altersstufen.
Aus dem Pflanzenordner wird ein kleines Forschungsprojekt
Ein gelungenes Herbarium endet nicht beim Aufkleben. Eine kurze Auswertung macht sichtbar, welche Pflanzen an sonnigen oder schattigen Stellen vorkommen, welche Blätter ähnlich aussehen und warum manche Arten häufig, andere aber selten sind.
Mein wichtigster Rat lautet deshalb, lieber wenige, gut dokumentierte Belege anzulegen als einen überfüllten Ordner. Wer Fundort, Datum, Merkmale und Herkunft ernst nimmt, übt gleichzeitig Beobachten, Ordnen und wissenschaftliches Arbeiten.